VALERIA MUSARRA

...aufgeben kann alles Mögliche sein, aber niemals eine Lösung...

Seitdem meine Eltern erfahren haben, dass mein Sehnerv nicht ausreichend ausgewachsen ist, fingen Sie im Internet an, verschiedene Recherchen durch zu führen. Wie es so ist fanden sie im Internet viele Informationen und Theorien wie eine Verbesserung des Sehvermögen erreicht werden kann. Viele davon noch am Anfangsstadium der Forschung andere bereits etwas fortgeschritten und viele andere für uns nicht interessante Möglichkeiten. Auf jeden Fall stiessen sie immer wieder auf eine ganz bestimmte Art von Therapie die mit Stammzellen durchgeführt wird. Stunden haben sie investiert um rauszufinden wie das ganze funktioniert. Ihr Bauchgefühl sagte ihnen immer wieder einfach diesen Weg zu gehen und das taten sie auch. Mein Vater kontaktierte verschiedene Stellen in der Schweiz sowie im Ausland die in irgendeine Weise mit Stammzellen zu tun hatten. Leider kam er aber ab einem gewissen Punkt nicht weiter. Diese Verzweiflung führte ihn eines Tages auf eine Homepage einer ausländischen Gesellschaft, die sich seit ein paar Jahren mit der Forschung von Stammzellen auseinandersetzt. Schnell setzten sich meine Eltern mit dieser Gesellschaft in Kontakt um rauszufinden wie gross die Erfahrungswerte auch wirklich sind. Sie erhielten ganz viele Informationen. Dennoch waren diese Informationen für meine Eltern nicht ausreichend um eine Therapie mit gutem Gewissen zu starten. Sie knüpften Kontakte mit Patienten, die bereits mit einer Stammzellentherapie Erfolge erzielt hatten. Die Gespräche mit den betroffenen Patienten waren überzeugend genug um Vertrauen zu fassen und um dann diese Reise anzutreten.

Nach der Anmeldung in Asien folgten zuerst viele Mails und Telefonate mit dem Institut. Das gesamte medizinische Bild musste von den Ärzten in Bangkok analysiert werden. Sobald ich für diese Therapie zugelassen worden bin, reisten wir sofort dorthin und los ging es. Ab dem ersten bis zum letzten Tag war alles vom Institut durchorganisiert und täglich vollgeplant mit Therapien. Am ersten Tag wurde das Blut analysiert um zu schauen ob mein Körper bereit war die Therapie zu starten. Ich hatte während dieser Zeit sieben Stammzelleninfusionen erhalten. Täglich hatte ich drei bis vier Stunden Physiotherapie und Akupunktur und zusätzlich noch alle zwei Tage entweder Therapie im Wasser oder Sauerstofftherapie in einer Kammer. Ausserdem besuchte uns alle drei Tage eine Ernährungsberaterin um mir das Menu so zu gestallten, dass ich viel Vitaminen zu mir aufnehmen konnte. Als Ergänzung erhielt ich noch Eisentropfen da mein Eisenspiegel zu tief war. Jeden Morgen kam das ganze Ärzteteam vorbei um kurz nach dem Rechten zu schauen.

 

Nun ein paar Informationen zu der Therapie:

 

Da ich noch zu klein bin konnten mir die Ärzte die Stammzellen nur venös einspritzen. Wenn ich grösser bin kann es in das Rückenmark oder sogar direkt in die Augen gespritzt werden. Die Stammzellen wirken bei jedem Patienten anders, nicht jeder Körper reagiert gleich auf die Therapie. Bei den einen ist schnell eine Reaktion bemerkbar, bei anderen erst nach ein oder zwei Jahren und bei einigen waren auch keine Verbesserungen ersichtlich. Die Stammzellen suchen im Körper  die "defekten" Stellen und reparieren oder verändern sie. Es werden ganz unterschiedliche Krankheiten wie z.B. auch Multiple Sklerose, Leukämie, Parkinson nebst den Augenerkrankungen therapiert.

   

Die hyperbare Sauerstofftherapie dauerte ca. 30 Minuten pro Mal. Hier musste ich einfach mit einem Elternteil in diese Kammer sitzen und durch eine Maske Sauerstoff einatmen. Die Luft, die wir Menschen normalerweise atmen, besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff, zu 21 Prozent aus Sauerstoff und aus diversen anderen Gasen wie etwa Argon, Neon oder Helium. Bei der Sauerstofftherapie hingegen wird in der hyperbaren Sauerstoffkammer kein Luftgemisch, sondern reiner Sauerstoff bei einem Druck von 0,7 bis 1,3 Bar eingeatmet. Dadurch steigt der Sauerstoffgehalt im Körper auf das bis zu 25-Fache. Dabei werden Blockaden der Sauerstoffzufuhr zu wichtigen Körpersystemen überwunden und zahlreiche Funktionen ak­tiviert. Nach der erfolgreichen Anwendung in der Intensivmedizin wird dieses Verfahren nun auch in der Neurorehabilitation angewendet.